Patrick und Heidi Gerber führen in Bettingen einen vielschichtigen Landwirtschaftsbetrieb mit insgesamt 58 Hektaren. Sie vereinen mit Ackerbau, Mutterkuhhaltung und Direktvermarktung gleich mehrere Standbeine. Dazu kommen Obstbau und Hühnerhaltung. 

Die beiden versuchen, einen Mittelweg zwischen IP-Suisse und Bio zu finden, setzen auf nachhaltigen Obstbau mit Insektenschutznetzen und Verwirrungstechnik durch Duftstoffe, um den Pestizideinsatz zu minimieren. «Wenn wir im Obstbau diese alternativen Methoden einsetzen können, kombiniert mit wirksamen Mitteln mit guter Wirkungsdauer, sparen wir uns viele zusätzliche Behandlungen», betont der Betriebsleiter, der auch sein Brotgetreide herbizidfrei herstellt.

Untersaat wird mittels Drohne gesät

Bodenerosion ist für Patrick Gerber ein wichtiges Thema. Mit der für ihn seit Jahren bewährten Untersaat leistet er einen grossen Beitrag zur Erosionsbekämpfung. Der 47-Jährige erklärt: «Es ergibt keinen Sinn, wenn wir Bodenverbesserung mit dem Ansäen von Gründüngungen betreiben, aber letztlich bei Gewittern fruchtbare Erde verlieren. Das Einbringen einer Untersaat im Getreide per Drohne im April erspart uns im Sommer die Bodenbearbeitung. Erst im Herbst, bei der Ansaat einer neuen Kultur, wird der Boden wieder bearbeitet.»

Familie Gerber setzt auf eine schonende Bodenbearbeitung mit wenig Pflug und ansteigendem Humusgehalt, damit sie besser für die Trockenheit gewappnet sind. Sie sehen sich in der Verantwortung dem Kunden gegenüber, lassen ihre gesammelten Erfahrungen einfliessen und bekommen dafür positives Feedback von den Konsumenten. «Die Wertschätzung ist gross. Wir stellen in unserem Newsletter gerne die Massnahmen vor und zeigen auf, was wichtig ist für die Produktion», ergänzt Heidi Gerber.

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Landwirtschaft in Westafrika als Zivi erlebt

Patrick Gerber ist hier auf dem elterlichen Hof aufgewachsen, hat die Handelsschule absolviert sowie das Bauernlehrjahr im Welschland und zwei Winterkurse in Sissach. Eigentlich wollte er von Anfang an Landwirt werden, war aber im Nachhinein froh über den gewählten Weg, denn in der Handelsschule wurden viele bürokratische Themen behandelt, die heute unabdingbar sind.

«Mein Vater hat mir beim Melken viel Verantwortung abgegeben. Ich empfand dies nicht als Last, sondern als Vertrauensbeweis. Es hat mich darin bestätigt, dass es gut ist, was ich mache, und ich konnte mich entfalten.» Mit viel Eigeninitiative gelang es Patrick Gerber, ein Auslandsjahr mit dem Zivildienst zu verbinden. So verbrachte er 15 Monate in Westafrika bei der landwirtschaftlichen Entwicklungshilfe, mit dem Pflanzen von Bäumen, dem Schutz von Kulturen und Viehhaltung.

Es wäre sogar eine Option für ihn gewesen, in Afrika zu bleiben, aber seine Eltern waren froh, dass er zu Hause in die Generationsgemeinschaft einstieg – dies für neun Jahre – und seine Ideen einfliessen liess. 2005 wurde mit Obstbau begonnen, drei Jahre später fand der Umstieg auf Mutterkuhhaltung statt. In dieser Zeit gab es eine Arrondierung mit 20 Hektaren mehr Land zum Bewirtschaften und es entstanden Hofladen und Backstube.

Betriebsspiegel

Patrick und Heidi Gerber mit Elias (11), Sina (13) und Joel (15)

Ort: Bettingen
Produktionsform: IP-Suisse
LN: gesamthaft 58 ha
Ackerbau: 2,5 ha Winterweize, 2,5 ha Urdinkel, 5 ha Futtergetreide, 2,5 ha Silomais, 5 ha Kunstwiese, 11 ha Oekofläche, 1,5 ha Obstbau / 28 ha Grünland
Viehbestand: 40 Mutterkühe mit Kälbern und Aufzucht der Rasse Limousin, 1 Stier
Arbeitskräfte: 3 Teilzeitmitarbeiterinnen in Hofladen und Backstube, dazu saisonal an einem Tag wöchentlich ca. fünf Personen
Sonstiges: Hofladen

Ein Familienbetrieb durch und durch

2014 übernahmen Patrick und Heidi Gerber den Hof. Heidi ist auf einem Landwirtschaftsbetrieb im benachbarten Riehen aufgewachsen. Nach zwölf Schuljahren und mit dem Fachmittelschulausweis absolvierte sie im Basler Claraspital die vierjährige Ausbildung zur Pflegefachfrau und arbeitete bis 2010 in diesem Beruf. «Nach der Geburt des ersten Sohnes stieg ich mit 20 Stellenprozent wieder ein. Als zwei Jahre später unsere Tochter geboren wurde, hörte ich im Spital auf und konzentrierte mich auf das Brotbacken und den Aufbau des Hofladens», erzählt die 42-Jährige, die seither vollumfänglich auf dem Betrieb arbeitet und überall hilft, wo es gerade brennt. 2014 kam ein weiterer Sohn zur Welt.

Sie alle teilen die Leidenschaft fürs Skifahren. Aber gemeinsame Ausflüge oder gar Ferien setzen immer eine entsprechende Organisation voraus. Die Eltern sind noch involviert und packen mit an. Zudem haben sich bisher drei Angestellte eine Stelle geteilt. «Aber nun suchen wir einen landwirtschaftlichen Mitarbeiter EFZ, der den ganzen Betrieb kennenlernt und langfristig als alleiniger Allrounder hier einsteigt. Es ist eine spannende Tätigkeit, denn es werden Ackerbau, Obstbau und Viehhaltung abgedeckt. Hier kann sich jemand wirklich entfalten», ist Heidi Gerber überzeugt.

Sie freut sich auf «eine etwas ruhigere Zeit». In der Backstube und im Hofladen wird sie von drei Frauen unterstützt. Saisonal kommt eine freiwillige Seniorengruppe von fünf Personen zur Obsternte.

Kühe zum Anfassen und der «Jö-Effekt»

Im Winter darf man die Kühe im Stall besuchen, es stehen sogar Schüfeli und Bäseli für die kleinen Besucherinnen und Besucher parat. Die Kundschaft sieht die Kühe auf den Weiden ringsum, angrenzend an die Wohnhäuser, und kennt somit die Herkunft des Fleisches. «Einzig mit Natura-Veal-Kalbfleisch hat es nicht ganz so gut funktioniert, da kam wohl ein ‹Jöh-Effekt› hinzu. Daher verkaufen wir wieder ausnahmslos Natura-Beef», sagt Patrick Gerber schmunzelnd.

40 Mutterkühe mit ihren Kälbern sowie die eigene Aufzucht und ein Stier werden an zwei Standorten gehalten. «Durch die Mutterkuhhaltung ist man nicht so angebunden und mit zwei verschiedenen Ställen wäre die Haltung von Milchkühen schwierig, auch wenn die Ställe lediglich einen Kilometer Luftlinie voneinander entfernt sind», sinniert Patrick Gerber. Pro Jahr werden vier Kühe geschlachtet und Teile davon zu Wurstwaren verarbeitet. Das Fleisch wird in kleinen Portionen vakuumiert angeboten.

Verkaufen, was selbst produziert wird

Im Hofladen stehen vornehmlich Produkte vom eigenen Betrieb, das kommt bei der Kundschaft gut an. Heidi Gerber informiert die Besucher gerne mit Tafeln und sensibilisiert für bestimmte Produkte. Sie setzt in ihrer Backstube das Mehl vom eigenen Weizenfeld ein, solche Naturprodukte werden geschätzt. Den Teig stellt Heidi Gerber am Vorabend her, lässt ihn im Kühlraum aufgehen und steht pünktlich um vier Uhr morgens in der Backstube, um ca. 150 grosse und 300 kleine Brotwaren zu backen. Sechs verschiedene Brotsorten hat sie im Sortiment und einmal im Monat kommt Zopf dazu. Samstags wird von 8 bis 12 Uhr Brot im Hofladen verkauft – bedient. An den anderen Tagen gilt Selbstbedienung.

Neben Eiern, Süssmost, Äpfeln und Birnen stehen saisonal Zwetschgen und Aprikosen hoch im Kurs. «Letztere werden vor allem von den Gästen des nahegelegenen Freibads sehr geschätzt als ein gesundes Znüni oder Zvieri», weiss Heidi Gerber.

Webseite des Betriebs